Deinen ersten Stoff auswählen
Den ersten Stoff auswählen
Nichts ist vergleichbar mit dem Öffnen eines alten Schnittmusterumschlags. Das Titelbild, das kleine darin liegende Anleitungsheft und der Gedanke, dass jemand genau dieses Kleid vielleicht schon einmal genäht hat. Es ist ein kleines Stück Nähgeschichte, das darauf wartet, neu zum Leben erweckt zu werden.
Doch bevor die Schere zum Einsatz kommt, gibt es eine Entscheidung, die bei deinem ersten Vintage-Projekt den entscheidenden Unterschied machen kann: der Stoff.
Ich erinnere mich noch lebhaft an die Aufregung, als ich meinen ersten Stoff aussuchte – auch wenn das inzwischen schon einige Jahre her ist! Es war in einem kleinen Marktstädtchen namens North Ormesby, und ich war mit meiner Mutter dort, die einiges über Stoffe wusste.
Zuerst fiel mein Blick auf die offensichtlichen Dinge – die Farbe, das Muster, vielleicht ein hübsches Schnittmuster – und dann nahm meine Mutter den Stoff, zerknüllte ihn sanft in ihrer Hand und sagte: „Er knittert!“
Das war’s. Wenn er knitterte, war er nichts!
Wenn ich zurückblicke, wird mir klar, dass ich weit mehr als das gelernt habe. Meine liebe Mutter brachte mir bei, über Farbe und Muster hinauszusehen und zu verstehen, wie sich ein Stoff verhalten würde – wie er fällt, wie er sich bewegt und wie er sich anfühlt, sobald daraus ein Kleidungsstück geworden ist.
Diese kleinen Lektionen sind mir all die Jahre im Gedächtnis geblieben und sind auch heute noch genauso hilfreich, wenn man einen Stoff für ein Vintage-Schnittmuster auswählt.
Wähle für dein erstes Vintage-Projekt etwas, das sich leicht zuschneiden, stecken und nähen lässt. Ein Stoff mit etwas Stand ist dabei dein bester Freund.
Beginne mit einem Stoff, der sich gut verarbeiten lässt

Für dein erstes Vintage-Schnittmuster solltest du etwas wählen, das sich leicht zuschneiden, stecken und nähen lässt. Ein Stoff mit etwas Stand ist dabei dein bester Freund.
Baumwollpopeline – der beste Freund für Anfänger
Baumwollpopeline ist einer meiner Lieblingsstoffe für Anfänger. Sie verzeiht einiges, lässt sich gut bügeln und bleibt dort, wo man sie hinlegt.
Er ist perfekt für:
- Tageskleider der 1950er-Jahre
- Hemdblusenkleider
- Blusen
- Röcke
- Schürzen
Ein hübsches Blumenmuster, Vichykaromuster oder kleines Dessin kann selbst einem einfachen Schnitt diesen bezaubernden Vintage-Charme verleihen.
Baumwollbatist – leicht und hübsch
Baumwollbatist ist weich, glatt und wunderbar für wärmeres Wetter geeignet. Er eignet sich gut für schlichte Blusen, geraffte Röcke und luftige Sommerkleider.
Er lässt sich etwas leichter verarbeiten als Popeline. Lassen Sie sich beim Zuschneiden also Zeit und verwenden Sie reichlich Stecknadeln.
Leinen und Leinenmischungen – klassisch und bequem
Leinen ist seit Generationen ein beliebter Stoff bei Schneiderinnen. Es wirkt lässig, wird durch das Tragen weicher und passt zu so vielen Vintage-Stilen.
Eine Leinenmischung ist für Anfänger oft einfacher zu verarbeiten und eignet sich wunderbar für:
- Kleider im Stil der 1930er-Jahre
- Weite Blusen
- Hosen
- Sommerjacken
Chambray – alltäglicher Vintage-Stil
Chambray verleiht Ihnen den schönen Denim-Look, ohne schwer zu sein. Er lässt sich leicht nähen und eignet sich ideal für lässige Vintage-Schnittmuster.
Geeignet für:
- Einfache Kleider
- Blusen
- Röcke
- Kinderkleidung
Wolle – erst später ausprobieren
Viele Schnittmuster aus den 1940er- und 1950er-Jahren wurden für Wollstoffe entworfen. Leichte Wolle, Wollkrepp und Wollmischungen eignen sich wunderbar für maßgeschneiderte Röcke, Jacken und Kostüme.
Es lohnt sich zu warten, bis Sie etwas mehr Sicherheit gewonnen haben, denn Wolle erfordert beim Zuschneiden und Bügeln etwas mehr Sorgfalt.
Stoffe, die Sie sich für später aufheben sollten
Manche Stoffe sind wunderschön, können aber gerade am Anfang etwas verzeihungslos sein:
- Seidensatin – rutschig und schwierig zu verarbeiten
- Chiffon – empfindlich und verrutscht leicht
- Samt – muss vorsichtig gebügelt werden
- Leichter Rayon – wunderschöner Fall, aber anspruchsvoll in der Verarbeitung
- Stretchstoffe – erfordern andere Nähtechniken
Es spricht nichts dagegen, diese Stoffe zu bewundern (ich tue das ganz sicher!), aber Ihr erstes Vintage-Kleidungsstück sollte Freude machen und kein Ringkampf sein.
Lassen Sie sich vom Schnittmuster leiten
Vintage-Schnittmuster empfehlen auf dem Umschlag meist geeignete Stoffe – es lohnt sich, darauf zu achten.
Ein weit schwingendes Kleid aus den 1950er-Jahren kommt mit einem Stoff mit etwas Stand besonders gut zur Geltung, etwa Baumwollpopeline.
Ein weiches, schräg zugeschnittenes Kleid aus den 1930er-Jahren braucht einen Stoff mit Beweglichkeit und schönem Fall.
Eine taillierte Jacke aus den 1940er-Jahren braucht in der Regel einen formstabilen Stoff wie Wolle.
Ein paar Nähtipps
Ihr erstes Vintage-Kleidungsstück muss nicht perfekt sein. Die Freude liegt darin, zu lernen, wie sich Stoff verhält, zu beobachten, wie die Teile zusammenfinden, und schließlich etwas zu tragen, das Sie selbst angefertigt haben.
Wählen Sie einen Stoff, der Ihnen gefällt, lassen Sie sich Zeit und genießen Sie den Prozess. Jede erfahrene Schneiderin hat mit diesem ersten Stich angefangen.
Viel Freude beim Nähen!